Warum sind Mütter immer so Ängstlich?

4. Juli 2018

Ich habe mir fest vorgenommen, über Themen zu schreiben, die auch zum Nachdenken anregen sollen. Meine Tochter kommt dieses Jahr in die Schule und im Laufe der letzten 7 Jahre (da ist die Schwangerschaft schon mit eingerechnet) habe ich feststellen müssen, dass ich immer mehr Ängste entwickelt habe. Wie sich das auswirkt? Dazu gleich mehr.

Bevor ich schwanger geworden bin, war ich in vielen Dingen recht unbeschwert. Ich bin mit nassen Haaren raus oder auch mal viel zu dünn angezogen. Ich war auch mutiger und das in vielerlei Hinsicht. Ich habe sehr viel gearbeitet zum Beispiel und das teilweise Tag und Nacht. Tagsüber habe ich in meinen Beruf gearbeitet und nachts und auch tagsüber am Wochenende habe ich in einer Diskothek gearbeitet. Teilweise hatte ich nur 3 Stunden Schlaf. Heute ist das für mich alles undenkbar und ich frage mich ernsthaft “Wie hast du das geschafft?” Klar ich war jünger, aber man kann natürlich nicht immer alles auf Alter schieben.

Als Leni 7 Monate alt war, war ich das erste Mal im Krankenhaus. Ich war schon vorher öfters im Krankenhaus. Aber jetzt ist es anders, denn es ist nicht nur mein Mann zu Hause, sondern auch ein kleines Würmchen, dass seine Mama braucht. Zum Glück durfte ich da das Krankenhaus nach kurzer Zeit wieder verlassen. Leider war ich dann 2 Monate später wieder im Krankenhaus und das 2 Wochen lang. Genau in der Zeit, als das erste Weihnachten mit unserer Maus vor der Tür stand. Das war sehr schlimm für mich, da es mir sehr wichtig war, bei Ihr zu sein. Denn es war das erste Weihnachten mit meiner Leni, dass ist etwas ganz Besonderes. Mit viel Überredungskunst durfte ich für 2 Tage nach Hause. Warum war ich im Krankenhaus? Wie es sich herausgestellt hatte, war es eine Endokarditis, wodurch sie gekommen ist, wusste man nicht. Man hatte vermutet, das es durch eine Entzündung der Gebärmutter kam, aber das ist eine andere Geschichte. Hier wurde mir von den Ärzten gesagt, das wenn sie mehrere Keime finden, dann muss ich 6 Wochen im Krankenhaus bleiben.

6 WOCHEN!!!

 

6 Wochen, das wäre für mich als Mama sehr schlimm gewesen, allein die Vorstellung, 6 Wochen von meiner Familie getrennt zu sein. Aber neben meiner Gefühlskomponente kam ganz schnell noch eine weitere dazu. Wie bewerkstelligen wir das Ganze? Unser Papa muss ja arbeiten und Oma und Opa, haben ja auch noch ein weiteres Enkelkind, welches auch versorgt werden wollte. Klar es ist eine Ausnahmesituation, aber solch eine Situation ist sehr schwierig. Man will ja letztendlich doch alles alleine bewerkstelligen. Mein Glück war, das ich in den 2 Wochen und auch den Wochen zuvor so viel Antibiotika bekommen habe, das wir so schlimmeres verhindern konnten.

Seitdem habe ich immer im Hinterkopf, du darfst nicht ausfallen. Vielen Mamas geht es wie mir, man muss als Mama stark sein. Man darf nicht krank werden, man muss funktionieren. Mamas organisieren, trösten und sind immer da. Klar es gibt auch die Papas, aber in der Regel sind sie auch die Hauptverdiener und somit wäre auch ein großer finanzieller Schaden da, wenn sie auch noch ausfallen würden.

Also habe ich angefangen darauf zu achten, dass mir nichts passiert. Ich habe angefangen jede Situation in meinen Kopf durchzugehen und herauszufiltern, was passieren könnte. Mit der Zeit habe ich auch festgestellt, dass dadurch auch vieles sogar erst recht passiert. Mein perfektes Beispiel, ich laufe zum Auto, möchte einsteigen, ZACK, ich rutsche aus und Schulter geprellt und Handgelenk verstaucht. Man kann nicht immer alles beeinflussen und vorher analysieren.

Aber dennoch ist immer die Angst da, was passiert wenn die Mama ausfällt.

 

Mit der Zeit baut man sich auch ein kleines Netzwerk auf, mit anderen Mamas, die einen Unterstützen können, wenn es brenzlich wird. Aber man möchte es dennoch nicht soweit kommen lassen.

Als Mama möchte man doch immer und auch jederzeit für sein Kind da sein, selbst wenn das heißt, das man als Mama mal zurücksteckt. Ich habe vor 2 Jahren mehrere Erkältungen verschleppt und nie richtig auskuriert. Man hat es auch nicht leicht, man will es ja nicht nur dem Kind, dem Mann und der Familie recht machen, nein auch dem Arbeitgeber. Als Mama hat man es eh schon schwer genug in der Arbeitswelt. Wenn man vorher schon 3 Tage zuhause war, weil das Würmchen krank war, dann geht man selbst krank auf die Arbeit, denn man will ja auch nicht ständig fehlen. Im Nachhinein war das ein riesen Fehler. Lieber einmal richtig auskurieren, als dann die Folgen 2 Jahre lang zu spüren. Bei mir ging das so weit, dass ich mehr als 2 Jahre kaum, bis keine Stimme hatte. Selbst heute ist es noch so, das ich nicht länger oder gar lauter sprechen, kann. Bei jeder Überbelastung ist die Stimme weg. Trotz Kur und wöchentliche Logopädie. Mittlerweile, kann ich damit umgehen und weiß auch, wie weit ich mit meiner Stimme gehen kann. Aber es ist wirklich kein schönes Gefühl, wenn man auf den Spielplatz ist und seine eigene Tochter nicht rufen kann, da keine Stimme mehr da ist.

Ich denke durch die ganzen Erfahrungen der letzten 7 Jahre, bin ich sehr ängstlich und vorsichtig geworden. Irgendwo hochklettern auf den Spielplatz – keine Chance, ich könnte mich ja verletzen. Ein Kind hustet oder niest mich an? – Panik ich könnte krank werden, um es jetzt mal recht überspitzt auf den Punkt zu bekommen. Wenn ich in der Eisdiele sehe, das Eis ist oben in der Theke etwas an geschmolzen, kann ich es nicht essen, es könnte ja nicht mehr gut sein. Bloß nichts herauf beschwören, weshalb man ausfallen könnte. Viele Ängste verschwinden auch mit der Zeit oder schwächen etwas ab. Mittlerweile ist die innerliche Panik, bei kranken Kindern im Umfeld abgeflacht. Aber dennoch, sie ist immer im Hinterkopf. Bloß nicht krank werden.

Dann kommt mir aber auch im gleichen Moment die Frage, wie machen das die ganzen Alleinerziehenden Mamas? Ich habe riesen Respekt davor!!

 

Für alle Alleinerziehende Mamas – Ihr seid toll!!

 

Wir sind auch noch in einer Kita, in der es  einige Kinder mit Behinderungen gibt, sei es körperlich oder auch geistig. Bevor ich ein Kind hatte, war es mir nicht bewusst, wie es ist ein Kind mit einer Behinderung zu haben und auch nicht welche Auswirkungen es mit sich zieht. Früher hat man Eltern, deren Kindern eine Behinderung haben, angeschaut und auch bemitleidet. Heute gilt für diese Eltern kein Mitleid mehr, sondern Bewunderung. Ich finde es absolut bemerkenswert, welche Kräfte hier in den Mamas (und natürlich auch Papas) stecken. Was sie alles auf sich nehmen, das ist einfach der Wahnsinn. Kinder mit Einschränkungen, sind sehr fordernd, aber sie geben einen auch sehr viel zurück. Ich wüsste nicht, ob ich diese Kraft aufbringen könnte.

Ich habe lange mit mir gerungen, dies von der Seele zu schreiben. Jede Mama hat ihr eigenes großes Päckchen zu tragen und trotz des großen Päckchens, meistert jede Mama jede Situation absolut hervorragend.

Geht es Euch auch so? Habt Ihr mit der Zeit auch Ängste als Mama entwickelt?

Wie  regelt Ihr das, wenn Ihr ausfällt?

 

17 Kommentare

  1. Alu

    Das kenne ich sehr gut, aber man darf sich davon nicht lähmen lassen.

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  2. Nadja

    Ich bin auch vorsichtiger geworden. Angst vor dem Kranksein oder Ausfallen habe ich aber nicht. Vieles kann man ja nicht beeinflussen. Dennoch achte ich mehr auf mich!

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  3. Julia

    Solche Ängste habe ich nicht, finde sie aber durchaus nachvollziehbar und kann ein Stück nachfühlen, wie es dir damit geht. Für mich persönlich wäre die Angst vor „wenn was schlimmes passiert“ zu beschwerend. Was wäre, wenn ich mal ausfalle ist in meinen Augen eine Vollkatastrophe – darüber will ich mir keine Sorgen machen 😳😳😳

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  4. MissFinnland

    Ich glaube, egal ob Mutter oder nicht, dass man sich im Laufe der Jahre einfach weiterentwickelt und beginnt, mehr auf seinen Körper zu hören. Ich glaube nicht, dass das damit zu tun hat das man Ängste entwickelt weil man Mutter geworden ist.

    Man lebt einfach bewusster und das ist gut so.

    Alles Liebe,
    Julia
    https://www.missfinnland.at

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  5. Jule

    Ich kenne diese Angst nicht. Natürlich führen wir hier Gespräche und wissen, wie schlimm es wäre, sollte etwas passieren. Aber man macht sich das Leben so schwer, wenn man über all das nachdenkt. Ich verstehe aber auch, dass sich einige Gedanken nicht steuern lassen. Klar! Ich hoffe, Du kannst die Gedanken ein wenig in die Ecke drängen. <3

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  6. Sina martin

    ja das kann ich gut nachvollziehen . Ich wüsste nicht wie das hier laufen würde, wenn ich mal länger ausfallen würde

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  7. Bea

    Als Ängste würde ich es bei mir nicht bezeichnen, aber man hat immer im Hinterkopf, dass man nicht fallen darf oder so um sich nichts zu brechen, denn was ist dann? Wie versorge ich dann meine Familie? Klar. Das haben denke ich alle Mamas.

    Lieben Gruß, Bea.

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  8. Melanie

    Wirklich schön geschrieben. Ängste hat man immer. Und das ist auch gut so.

    Ich habe das große Glück, dass meine Mutter wie ich Teilzeit arbeitet und noch im gleichen Ort wohnt. Wenn also etwas ist, kann sie sofort einspringen. Ansonsten denke ich, dass meine Tante auch helfen würde. Aber so ganz fremd in einer Stadt, wo man niemand hat – unmöglich.

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  9. Tschaakii's Veggie Blog

    Hallo 🙂
    Also ich glaube zum ängstlich um einen Menschen zu sein muss man nicht direkt Mama sein, ich glaube da geht es eher darum einen Menschen zu lieben. Natürlich hat man dann bei Kindern die man liebt noch mehr angst, als bei Freunden oder Partnern 🙂
    Ich wünsch dir noch eine schöne Woche!
    Liebe Grüße Jacky
    http://www.tschaakiisveggieblog.at

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  10. Kim

    Auch als Nicht-Mutti kann man das sehr gut nachvollziehen. Hoffe du musst nicht mehr (ungewollt) so lange von deiner Family getrennt sein. Alles Liebe für euch! Kim

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  11. Sandra

    Hey du.
    Angst, so ganz bewusst habe ich nicht. Ich mache das Beste aus jedem Tag und es ist toll, dass du so ein Netzwerk hast. Das ist sehr viel wert.

    Liebste Grüße,
    Sandra.

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  12. L♥ebe was ist

    diese Frage habe ich mir tatsächlich auch schon gestellt! ich hab es ja an meiner eigenen Mama erlebt 😉
    aber ich kann auch als nicht-Mutter ganz gut nachvollziehen, dass man mit diesen Ängsten kämpft … da ist der Rückhalt bei Freunden und Familie umso wichtiger!

    liebste Grüße auch,
    ❤ Tina von liebewasist.com
    Liebe was ist auf Instagram

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  13. Verena Schulze

    Da gibt’s doch die nette Werbung, bei der sich die Mama beim Kind krank meldet …. ist leider so, Mamas dürfen nicht krank werden! Ich war auch im Krankenhaus, als meine Mädels ganz klein waren zu einer OP. Ich hatte echt bammel, ob mein Mann das wohl hinbekommen würde – hat er – und war fix und fertig hernach… hat auch sein Gutes wenn das Umfeld mal merkt, was man alles so leistet …

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  14. Kat

    Ich habe sehr, sehr großen Respekt vor Eltern. Was die alles stemmen, ist manchmal unmenschlich. Ich finde aber trotzdem, dass Eltern auch ruhig Mensch sein dürfen. Vielleicht ist es für Kinderlose leicht gesagt, aber auch Eltern dürfen krank sein, sich in bestimmten Situationen um sich kümmern. Und wie es scheint, hast du das Glück, dass du ein starkes Netzwerk um dich herum hast. Das ist viel Wert!

    Liebe Grüße
    Kat

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  15. Tama

    Ein Thema was sicherlich nicht viele groß bedenken – ich hatte es jedenfalls nie auf dem Schirm. Aber gut, ich musste mich auch nie damit beschäftigen. Kann aber durchaus nachvollziehen, dass man da Ängste entwickeln kann. Vor Allem wenn der Rückhalt aus der Familie oder dem Freundeskreis nicht da ist. Dann ist man wirklich aufgeschmissen.
    Meine Mutter war auch Alleinerziehend und sie hatte auch viel damit zu schaffen.
    Liebe Grüße,
    Tama <3

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  16. Blog-Pirat

    Als Vater kann ich Dir sagen, dass auch ich ängstlich bin. Aber ich lasse es nicht zu das die Angst gewinnt 😉
    Das wichtigste ist doch die Freude und der Spaß den uns die Kinder bringen und das Strahlen in den Augen. Das ist es was mich aufbaut, was mir Kraft gibt, was mich alle Probleme lösen lässt.

    Liebe Grüße
    Blog-Pirat

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Ich Mamschen

Mein Name ist Denise Drews, ich bin Jahrgang 1987 und komme aus Hainburg. Ich bin seit August 2008 verheiratet und eine leidenschaftliche Mama seit Februar 2012. Der Name für den Blog „Mamschen“ ist von meiner fünfjährigen Tochter entstanden. Ich werde von ihr immer liebevoll Mamschen genannt.